art-emerge Fotografie | Das erste Mal: Tipps und Tricks für den Umgang mit Anfängermodellen

Das erste Mal: Tipps und Tricks für den Umgang mit Anfängermodellen

July 07, 2013  •  Kommentar schreiben

Die wundervolle A. Viele meiner Modelle stehen bei mir zum ersten Mal "so richtig" vor einer Kamera und sind dementsprechend nervös und unsicher. Im Laufe der Zeit habe ich deshalb ein paar Strategien angenommen - ich will nicht sagen "entwickelt", denn das meiste stammt von anderen FotografInnen - die sich bewährt haben, um trotz Nervosität und Unsicherheit zu guten Ergebnissen zu kommen.

Viele dieser Tipps sind natürlich auch im Umgang erfahreneren Modellen hilfreich, wenn man zum ersten Mal zusammenarbeitet. Und gleich noch ein Hinweis: all das kann ich mir "leisten", weil ich als Hobbyfotograf nicht darauf angewiesen bin, hoch effizient zu agieren. Der Spaß und das Ergebnis stehen im Vordergrund.

Zeit

Es gibt nur wenige tödlichere Stimmungskiller als Druck vor oder während des Shootings. Ich lege deshalb viel Wert auf eine entspannte Herangehensweise. Das beginnt bereits beim ausführlichen Vorgespräch: man muss sich erst in Ruhe kennenlernen. Selbst gute Freundinnen, die zum ersten Mal von mir abgelichtet werden wollen, kennen den "Fotografen in mir" oft noch nicht!

Auch beim Shooting selbst falle ich nicht mit der Tür ins Haus. Das Modell muss sich auf eine ungewohnte Situation einstellen, und das klappt am besten mit einem passenden Getränk (meist Kaffee oder Wasser) und Zeit zum Plaudern. Da kann es schon mal vorkommen, dass 3 Stunden vergehen, bevor man beim Shooting zum ersten Mal die Kamera in die Hand nimmt.

Alkohol verabreiche ich äußerst selten, und wenn dann nur in geringen Mengen und auf ausdrücklichen Wunsch des Modells. Ich muss niemanden gefügig oder künstlich locker machen und benötige stattdessen volle Konzentration und Aufmerksamkeit.

Make-Up

Das Make-Up meiner Modelle trage ich gerne selbst auf. Neben dem oben genannten Zeitfaktor (natürlich bin ich nicht so schnell wie professionelle VisagistInnen) hilft mir das vor allem, weil ich so das Gesicht, welches ich später fotografieren soll, besser kennen lerne. Gleichzeitig wird damit auch eine Näherungsgrenze gesetzt, die ich später beim Fotografieren nicht mehr überschreiten werde.

Gelernt habe ich das Schminken übrigens von einer befreundeten Visagistin. Ein paar Trainingseinheiten, eine überschaubare Grundausrüstung und etwas Übung - mehr braucht es nicht, um ein ansprechendes Basis-Make-Up zu erzielen!

Musik

Wenn möglich, gibt es beim Shooting musikalische Untermalung. Diese orientiert sich natürlich am Geschmack des Modells (vorher nachfragen!) und nicht an meinem.

Außerdem kann Musik gezielt genutzt werden, um die angestrebte Bildstimmung zu verstärken. Sprich: wenn wir romantisch-verträumte Bilder machen wollen, wird dazu eher kein Heavy Metal gespielt. Ausnahmen bestätigen die Regel ;-)

Anweisungen

Die meisten Menschen sind erst einmal völlig überfordert, wenn sie vor der Kamera stehen und "posen" sollen. Leider geht es fotografischen Anfängern oft genauso: wie sage ich meinem Modell, was es tun soll? Was kann sie überhaupt tun? Was sieht gut aus und was passt zu ihr? Nicht jede Pose ist für jeden Körperbau vorteilhaft!

Hier hilft nur: informieren und üben. Ganz viele tolle Tipps und Tricks zum Posing findet man zum Beispiel bei Sue Bryce, einer in Australien tätigen Portraitfotografin. Ihre Online-Kurse zählen nicht umsonst zu den meistverkauften bei Creative Live. Vieles kann man auch vor dem Spiegel oder per Selbstauslöser ausprobieren.

Gesichtsausdruck

Ein weiterer Faktor, der zwar zu den Anweisungen zählt, aber so wichtig ist, dass ich ihn gesondert erwähnen möchte, ist die Mimik. Die meisten Menschen neigen dazu, vor der Kamera das Gesicht zu verkrampfen, im schlimmsten Fall in Verbindung mit einem skeptischen "Lächeln". Für Portraitfotos ist das pures Gift. Es sieht später am fertigen Bild viel schlimmer aus als im Moment der Aufnahme.

Aus diesem Grund mache ich mit praktisch all meinen Modellen am Anfang des Shootings Entspannungsübungen für das Gesicht. Erst wenn ich einen natürlichen, lockeren Blick erhalte, fange ich überhaupt an zu fotografieren. Im Schnitt dauert das zwischen 5 und 15 Minuten. Es sind gut investierte Minuten!

SpaßSpaß mit der bezaubernden B.

Das wichtigste zum Schluss: der Spaß. Nachdem es für die meisten Modelle ebenso ein Hobby ist wie für mich, soll es in erster Linie Freude bereiten. Weder darf man sich als FotografIn zu ernst nehmen, noch das Modell unnötig einbremsen. Dabei ist es nicht nötig, krampfhaft den Kasperl zu mimen - man sollte immer man selbst bleiben.

Ob man gemeinsam Spaß haben wird oder nicht, kann man sehr gut beim Vorgespräch herausfinden. Modelle, mit denen ich nicht auf einer Wellenlänge liege, meide ich dann eher.

Fazit

Das erfolgreiche Zusammenspiel vieler Faktoren führt beim Fotografieren von Menschen zum Ziel. Ich habe sicher nicht alles aufgezählt, aber die für mich persönlich wichtigsten Punkte genannt. Falls ihr noch weitere Strategien kennt oder gewisse Dinge ganz anders macht, würde ich mich über einen Kommentar freuen!


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