art-emerge Fotografie | Drum freue, wer sich plötzlich bindet

Drum freue, wer sich plötzlich bindet

June 24, 2015  •  Kommentar schreiben

"Du machst auch Bondage?"

B. blättert interessiert durch die gedruckte Portfoliomappe, die ich kurz zuvor auf dem Couchtisch ihres geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmers abgelegt hatte. Ihr Blick bleibt an einer kleinen Auswahl vergangener Fesselungen hängen.

"Ich hab ja schon öfter mit dem Gedanken gespielt, so etwas auch mal auszuprobieren."

Ich versuche, mir den innerlichen Freudensprung nicht allzu sehr anmerken zu lassen und versichere B., dass sie ja gerne im Laufe der heutigen Portrait- und Outdoorsession entscheiden könne, ob sie in diese Richtung schnuppern möchte. Die Seile habe ich immer dabei, wenn ich mit dem Auto zu einem Fototermin fahre. Sie sind in der selben Tasche verstaut wie die neutrale Bettwäsche und der Bademantel - beides unerlässliche Utensilien für meine Homeshootings.

"Du hast die Seile mit? Oh."

Ihr Gesicht verändert sich. Überraschung weicht Neugier. Sie wirkt plötzlich nervöser als noch zwei Minuten zuvor.

"Gute Idee, ich werde das später spontan entscheiden!"

Wir widmen uns wieder den anderen Bildern und anschließend ihrem Kleiderschrank. Ich habe schon einige Kleiderschränke gesehen und auch dieser enthält selbstverständlich ausreichend Material, um unterschiedliche Looks und Stimmungen zu erzeugen. Spätestens beim Latex-Catsuit wird mir klar, dass ich hier auf eine außergewöhnliche Dame gestoßen bin.

"Das ist übrigens meine Reitgerte. Eine echte. Nicht mehr jungfräulich."

Oh. Ja. Ähm. Sehr schön! Ich kann mich nicht entscheiden, ob mich das Vorhandensein der Reitgerte oder die direkte Offenheit darüber mehr überrascht.

Nachdem wir uns auf eine Auswahl von Outfits geeinigt haben, kümmere ich mich um ihr Makeup. Anschließend schlüpft sie in die erste Kombination des Nachmittags während ich mein Lieblingslicht aufbaue. Sie befüllt ihre Playlist mit Musik und sorgt damit für die passende Stimmung.

Wir lassen es langsam angehen. Die ersten 20-30 Minuten jedes meiner Fotoshootings dienen primär zum Aufwärmen. Einige Gesichtsübungen und Probeschüsse später beginnt die Zeit zu verfliegen. Die Stimmung passt und der Auslöser rattert.

"Ich hab mir überlegt, dass ich das mit dem Bondage heute ausprobieren möchte!"

B. erwähnt es so beiläufig, dass ich es nicht sofort bemerke. Mit der einsetzenden Erkenntnis wandern meine Mundwinkel steil nach oben. Ich strahle wie ein Schaukelpferd in einem Atomreaktor. Mindestens.

Da sie noch unsicher ist, was die erforderliche Nacktheit betrifft - Seile fühlen sich auf nackter Haut einfach am besten an, und sie möchte es so - arbeiten wir uns langsam heran. Die Stimmung steigt weiter und wir werden immer kreativer. Vorfreude macht sich breit. Schlussendlich sind wir beide der Meinung, dass wir nun genügend "normale" Fotos geschossen haben.

Vorfreude

Eine Trinkpause später (bitte trinkt ausreichend bei euren Fotoshootings!) halte ich die obligatorischen Sicherheitsschulung. Ohne diese wird von mir keine einzige Schlaufe um einen fremden Körper gelegt. Da die Regeln schnell erklärt sind, beginnen wir auch schon kurze Zeit darauf mit dem ersten Schmuckbondage.

Geschmückt

B.s Augen leuchten. Sie hat Blut geleckt und will mehr.

Es ist für Außenstehende schwer zu beschreiben, was in einer Person vorgeht, die sich freiwillig fesseln lässt. Bisher fielen alle meine gefesselten Subs irgendwann in einen Zustand der völligen Tiefenentspannung. Auch bei B. ist das nicht anders. Sie ist regelrecht enttäuscht, als ich nach einigen Minuten (und einigen Fotos) beschließe, die Seile wieder zu lösen.

Die Spuren einer gerade gelösten Fesselung geben auch oft ein tolles Motiv ab. Der Fotograf in mir frohlockt.

Wir beenden unser Shooting an diesem Punkt. Die Energien sind aufgebraucht und wir haben weit mehr erreicht, als wir zuvor erwartet hätten.

B. hat mir das schönste Geschenk gemacht, das man mir in so einer Situation machen kann. Sie hat mir ihr Vertrauen geschenkt, und das in einem Ausmaß, das alles andere als alltäglich ist. Liebe B.: vielen, vielen Dank dafür!

Soundtrack:

p.s.: Dieser Beitrag ist mit B.s Zustimmung entstanden.


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